Myxomatose - vom Freilandversuch zur Tierseuche

Als der französiche Mikrobiologe Prof. Paul Amand-Delille sich mal wieder über die Kaninchenpopulation in seinem eingezäunten Landsitz Maillebois südlich von Paris geärgert hatte, bestellte er sich von seinem Kollegen in Südamerika einen hochvirulenten brasilianischen Myxomatosevirusstamm und setzte am 14.06.1952 zwei infizierte Tiere in seinem Garten aus. Der Erfolg war frappierend, sodass nicht genannte Nachbarn auf sein Grundstück eindragen, erkrankte Kaninchen klauten und in ihren Gärten aussetzten.
Die Büchse der Pandora war geöffnet. Die daraufhin ausufernde Seuche vernichtete bereits 1953 die Hälfte des französichen Kaninchenbestandes und verbreite sich mit bis zu 400 km pro Jahr über ganz Europa. Das „erfolgreiche“ Freilandexperiment führte einerseits zu vernichtenden Seuchenzügen, andererseits wie bereits in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Australien zur Persistenz in überlebenden Tieren. Eine nicht vorherzusagende wellenförmige Verbreitung der Erkrankung mit unregelmäßigem Aufflackern in regionalen Seuchenzügen ist die Folge bis heute. Die beiden warmen „Winter“ der letzten Jahre haben nun vermutlich zu einem erhöhten Infektionsrisiko auch in den Gebieten geführt, die bisher von der Myxomatiose verschont geblieben waren. So hat es z.B. seit Menschengedenken keine Myxomatosefälle in den Hochlagen des Sauerlandes gegeben. Diese Zeiten könnten jetzt ( als eine Folge der Klimaveränderung ? ) vorbei sein. So gab es bereits im Dezember eine Epidemie im Ruhrgebiet, im Januar in Weser-Ems-Gebiet. Wegen fehlender Meldepflicht gibt es leider keine harten Daten zur Epidemiologie. Die Impfstoffhersteller verzeichnen jedenfalls eine zweigipflige Impfstoffnachfragen ( Mai und August ), die aber wohl erher mit dem Ausstellungswesen korreliert. Die Seuche scheint sich an keine Jahreszeit mehr zu halten. Neben dem direkten Kontakt mit infizierten Wildkaninchen (für Mastbestände und Hobbyzüchter eher selten ) ist es einerseits die Einschleppung über kontaminiertes Futter ( Gras, Löwenzahn ), vor allem aber auch durch blutsaugende Insekten, die unser Hauskaninchen bedroht. Während der Kaninchenfloh im geschützten Bau bekanntermaßen zur ständigen Reinfektion der Wildkaninchen führt, sind Mücken ( Gnitzen ) vermutlich die größte Bedrohung für unsere Hauskaninchen. Die in den warmen Wintern überlebenden Stechmücken beherbergen das Virsus bekanntermaßen bis zu sieben Monate, was in diesem Frühjahr / Frühsommer zu steigendem Infektionsdruck führen dürfte. Vergleicht man die rasante Ausbreitung des Blut-Trongue Virsus im letzten Jahr, das sich derselben Vektoren bedient, braucht man kein Prophet zu sein, um für 2008 eine schnelle Ausbreitung des Myxomatosevirus vor allem in der Hauptwindrichtung vorherzusagen. Und weil die Übertragung durch stechende Vektoren für Einzeltiere in Wohnungshaltung eine ebenso große Gefährdung darstellt wie die Einschleppung in einen Mastbestand, hift nur eine rechtzeitige Schutzimpfung, am besten zeitig im Frühjahr.

Ihr Praxisteam berät Sie gern.

Quelle: bpt Mitteilungsblatt des ganzen Nordens - Ausgabe 1.08

Copyright (c) 2009 My Company. Alle Rechte vorbehalten.
tierarzt.roehl@googlemail.com