Hunde haben auch eine Persönlichkeit
Tierpsychologe Martin Rütter beschreibt, wie sich Mensch und Hund besser verstehen können.
Scheint es Ihnen auch so, als gäbe es in Deutschland mehr Hunde als Kinder?
Rein statistisch besitzen die Kinder noch einen Vorsprung. Aber es stimmt schon, der Hund nimmt in unserer Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle ein.
Kleine Kinder und Hunde im Haushalt, ist das ratsam?
Hunde sehen Kinder niemals als ranghöher an. Fühlen sie sich bedrängt, ist es normal, dass sie das Kind zurechtweisen, so wie sie auch einen Welpen korrigieren würden. Leider ist das fürs Kind gefährlich, denn ein Schnauzgriff oder ein Nackenstoß kann zu Verletzungen führen, Deshalb muss stets ein Erwachsener in der Nähe sein, um schnell reagieren zu können. Eltern haben immer die volle Verantwortung und sind für die Erziehung des Hundes zuständig. Kinder können dabei kleine Aufgaben übernehmen. |
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Welche Fragen sollten sich künftige Halter vor dem Kauf stellen?
Sie müssen wissen, worauf sie sich beim Abenteuer Hund einlassen. Das fangt mit der Züchter- und Welpenauswahl an und endet bei der Hundesprache und artgerechten Haltung. Jeder Hund hat eine eigenständige Persönlichkeit mit Stärken, Schwächen und Bedürfnissen, die es zu respektieren gilt. Er muss geistige und körperliche Freiheit genießen dürfen. Ein Wochenendseminar würde schon reichen, um Anfängerfehler zu vermeiden. Und ganzwichtig: Für einen Hund muss man Zeithaben. Damit meine ich nicht nur die Zeit für die pflege wie Kämmen oder Krallenschneiden. Er kann nicht einfach so nebenher mitlaufen, denn er ist ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen.
Muss es ein Tier vom Züchter sein oder empfehlen Sie auch das Tierheim?
Definitiv. Der Blick ins Tierheim lohnt sich immer, auch dort leben super Hunde. Bei Züchtern muss man ebenso sorgfältig auswählen, denn es gibt gute und schlechte. Die Leute glauben immer, bei einem Hund vom Züchter sind sie vor Problemen gefeit. Das stimmt nicht. Entscheidend ist also nicht, ob Rassehund vom Züchter oder Mischling aus dem Tierheim, sondern dass sich die Menschen vorher über den Vierbeiner genau informieren.
Raten Sie von bestimmten Rassen als Familienhund ab?
Den perfekten Familien- oder Anfängerhund gibt es nicht. Generell eignen sich für Familien eher Hunde, die nicht sehr sensibel sind. Feinfühlige Tiere können gerade bei Kindern zum Problem werden, denn die sind im Umgang mit Hunden nicht gerade zimperlich.
Wie sind die Eigenarten von Mensch und Hund am besten zu vereinbaren?
Die Charaktere liegen gar nicht so weit auseinander. Hunde leben ja in einer ähnlichen Struktur wie wir Menschen. Es existiert ein enger Familienverbund, bei dem soziale Strukturen eine große Rolle spielen. Der Hund akzeptiert den Menschen als vollwertigen Sozialpartner und zieht ihn manchmal sogar Artgenossen vor. Im Gegenzug muss der Mensch ihn als das respektieren, was er ist: ein Hund.
Welche Grundregeln sollte das Tier beherrschen?
Dazu gehören neben der Stubenreinheit vor allem die Grundsignale ,Fuß', .Bleib' und .Hier' und natürlich auch das Akzeptieren von Tabus. Mit Belohnung an der richtigen Stelle bringt man ihm diese Regeln bei.
Woran erkennen Sie gut erzogene Hunde?
Daran, dass sie sich im Alltag stressfrei bewegen, sich an ihrem Halter orientieren und entspannt nach dessen Regeln leben und nicht umgekehrt. Ob ein Hund ins Bett darf oder nicht, hat nichts mit guter oder schlechter Erziehung zu tun. Entscheidend ist, dass Herrchen bestimmt, wann der Hund es darf und wann nicht.
Welche Fehler machen Herrchen am häufigsten?
Dass Hunde zu wenig beschäftigt werden. Die meisten Leute verwechseln Bewegung mit Beschäftigung. Das sind verschiedene Dinge. Daheim lassen sich Hunde als Haushaltshilfen nutzen: Wäscheklammern aufheben, Hausschuhe suchen und bringen, Türen öffnen und schließen, Licht anschalten. Es gibt viele Dinge, die man Hunden beibringen und womit man sie beschäftigen kann. Ein weiterer Fehler ist mangelnde Konsequenz. Es fällt den Menschen wahnsinnig schwer, Regeln, die sie selbst aufgestellt haben, auf Dauer einzuhalten. Einen Hund kann es aber echt verrückt machen, wenn er Dinge manchmal darf und dann wieder nicht.
Welche Missverständnisse gibt es zwischen Mensch und Tier?
Ein gravierender Fehler ist die extreme Vermenschlichung des Hundes. Und ein klassisches Missverständnis ist das Anspringen bei der Begrüßung, das fast immer als Freude des Hundes missgedeutet wird. In den wenigsten Fällen ist es aber freundlich gemeint, sondern eher als Kritik am Menschen, der den Hund nicht mit nach draußen genommen hat. Für ein besseres Miteinander ist es deshalb unabdingbar, dass der Halter die Signale und Körpersprache seines Hundes richtig zu verstehen lernt. Nur so kann er die eigentlichen Bedürfnisse des Hundes erkennen und sich dementsprechend verhalten.
Plädieren Sie für einen Hundeführerschein?
Unbedingt, und zwar als generelle Verpilichtung bereits vor Anschaffen eines Hundes. Denn fast alle Verhaltensprobleme sind erworben!
Wann ist professionelles Training gefragt?
Leider entschließen sich die meisten Halter erst zu diesem Schritt, wenn die Alarmglocken schrillen. Zeigt ein Hund aggressive Verhaltensweisen, muss sofort professionelle Hilfe her.
Wie viel Zuwendung braucht der Vierbeiner?
Aufmerksamkeit und Beschäftigung sind für das Tier extrem wichtig. Doch leider fehlt vielen Menschen Gefühl für das richtige Maß. Macht der Hund etwas falsch, wird er lautstark gemaßregelt und bekommt die volle verbale Breitseite. Macht er etwas richtig, wird er ignoriert. Das kann zu negativen Lerneffekten führen.
Wie weit darf Tierliebe gehen?
So lange der Hund in seiner geistigen und körperlichen Freiheit nicht eingeschränkt wird und nach seinen natürlichen Bedürfnissen entspannt leben kann, ist alles in Ordnung. So ist beispielsweise gegen ein mit Diamanten besetztes Halsband nichts zu sagen, denn es stört das Tier nicht. Das gilt auch für das pinkfarbene Märchenschloss als Hundehütte. Gefährlich wird' s, wenn der Hund zum Oktoberfest ins Dirndl gezwängt wird. Da hört der Spaß auf, das ist Tierquälerei.
Bei Fragen zur Gesundheit Ihres Hundes dann Rufen Sie einfach an (☎ 04167 698 706 )
Ihre Tierärztin Christina Röhl
tierarzt.roehl@googlemail.com










